Rezensionen

Solar Moon

Nautilus ist eine deutsche Elektronikformation, die auf ‚Solar Moon‘ ihre musikalischen Vorbilder der sogenannten Berliner Schule nicht verleugnen können. Die Qualität ihrer typisch deutschen Synthiemusik ist so gut, dass sie mit dieser CD bei der Schwingungen-Preisverleihung 2001 in der Kategorie ‚bestes Album‘ den ersten Platz einheimsten.
Nicht ganz unverdient, denn ‚Solar Moon‘ ist sehr abwechslungsreich. Schon der Opener ‚Moon Over Pinnarp‘ schlägt einen mit seiner verträumten Gitarre in seinen Bann. ‚Enter The Moonlight Gate‘ überrascht den Hörer mit eingestreuten ethnischen Gesängen.
Klaus Schulze-Fans dürfen sich dann eher von ‚Moondriver‘ angesprochen fühlen, während man bei ‚The Rolling Silence Part I+II‘ wohl eher in Richtung Tangerine Dream schielt. Mit ‚Earthlight‘ findet man einen gelungenen Abschluss, der durch seinen Groove gut ins Ohr geht. Eine vielschichtige CD also, die zu gefallen weiß.

Copyright: M. Wesche @ Empire, Germany Oktober/November 2001


North Pole Pilgrim

Neues von der Nautilus, die mit ihrer Crew, bestehend aus Kapitän Martin Ludwig (Keys, Synths, Sequencer), dem ersten Offizier Ralf 0bel (Synths, Sampler, Sequencer) und dem Navigator Werner Strätz (E-Guitar) und dem Bordtechniker EROC schon seit nunmehr zwei CDs unter der BSC-Flagge auf den Spuren von Jules Verne unterwegs ist, um neue und alte Klangwelten miteinander zu verknüpfen. Diesmal hat man den Jules Verne Klassiker „Voyages du Capitaine Hatteras“ so zu sagen als Kartenmaterial genommen …
Heraus gekommen ist ein sehr interessantes Album, bei dem sich der Kapitän und der erste Offizier die kompositorische Arbeit gerecht geteilt haben. Allerdings hat es sich der Navigator auch nicht nehmen lassen, diesmal auch einen Beitrag zu der Logbucheintragung beizusteuern.
Jetzt aber zur Sache …
Wer hier kalte Töne, angesichts dieses doch recht frostigen Titels der CD erwartet, der wird überrascht sein. Nahezu alle Stücke
dieses Albums haben einen mehr oder weniger starken Gänsehautcharakter, wobei man nicht vergessen darf, dass es sich hier um Gänsehaut der wohligen Art handelt, so weich kommen die einzelnen Titel rüber ins Ohr und breiten sich langsam im ganzen Körper aus. Dieses ist sicher nicht zuletzt auch auf die schwebenden Gitarrenparts von Werner Strätz zurückzuführen, die sich in bester Pink Floyd-Manier (so aus der Zeit von „The Dark Side Of The Moon“ – nicht zu verwechseln mit „The Dark Side Of The MOOG“!!!) empfehlen und den einen oder anderen an die Zeit der Räucherstäbchen, Teeabende (und kleinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz) erinnern … Besonders zum Tragen kommt dieses Feeling bei Track 3, „Iceland“. Aber auch bei anderen Künstlern wurden ein paar stilistische Anleihen gemacht – hierzu sei Track 4 „Earth Hymn“ erwähnt, wo mich der Melodiepart doch ein wenig sehr an Dennis Hart erinnert und der Basslauf durchaus von Giorgio Moroder aus der Discozeit stammen könnte, so richtig schön verspielt und frisch. Selbst einen Ausflug in die Klassik scheut man nicht. „White River“ könnte teilweise auch fast aus der Feder eines Johann Sebastian Bach stammen …
Haben wir nicht im Moment einen Latino Boom in der Musikwelt? Tja, auch der ist hier nicht ganz an der Nautilus und ihrer Besatzung vorbei gegangen … Dieses Mal geht es auf die Kappe des Gitarristen Werner Strätz, der sich auf dieser CD mit dem Track „Snowflakes“ verewigt hat.
Latino? Gitarre? Wer fällt uns da ein? Richtig, Mr. Carlos Santana! Die Gitarre jault wie zu „Samba Pa Ti“-Zeiten und auch die Congas lassen Erinnerungen wachwerden an die oben schon erwähnten Zeiten …
Aber – mein absoluter Liebling ist und bleibt der letzte Track „Message Of The Earth“! Ein Stück, das mich ein wenig an die guten Oldfield-Zeiten erinnert und mir beim ersten Hören fast die Tränen der Rührung in die Augen trieb … „Jungle Guardenia“ lässt grüßen … (war die B-Seite der „Crime of Passion“-Single). Ansonsten könnte man dieses Album durch die Bank auch mit dem Prädikat versehen: für jeden Geschmack etwas dabei!
Halt, beinahe hätte ich noch etwas vergessen …
Wie immer wird der Mann in der Technik in solchen Rezensionen vollkommen übergangen, bei einigen sollte das auch kein Problem sein, aber wer diesen Reglerakrobaten übersieht und außer Acht lässt, der ist entweder ein Banause oder schlichtweg taub!
Alles in allem ist nämlich niemand anderer für den Sound dieser CD verantwortlich, als der Ex-Grobschnitt Drummer EROC. Er ist zwar kein Bandmitglied, aber ich habe ihn trotzdem oben in die Crew mit „eingebaut“ weil – ohne Techniker: a: nichts läuft, b: die Ideen noch so gut sein können, aber nicht ‚rüberkommen, wenn der Mann am Pult nur in der Nase bohrt und lieber das Letzte aus sich als aus dem Soundmaterial rausholt … Ob diese Abmischung nun letztendlich das Non plus ultra aus dem „Rohmaterial“ darstellt, weiß nur die Crew der Nautilus am besten. Aber bei mir als Hörer kommt sie sehr gut an und lässt den Schluss zu, dass man hier alles versucht hat, was möglich war und nichts unversucht ließ, um ein kleines Meisterwerk zu schaffen, denn das ist dieser kleine Silberling allemal und zählt für mich jetzt schon zu den Favoriten der besten CD des Jahres 2002.
Ich wünsche der Nautilus und ihrer Crew immer zwei Handbreit Wasser unter dem Rumpf und viele neue spannende Geschichten, die zu immer neuen Auftauchmanövern führen …
Brammi

Copyright: Uwe Brameier @ Schalldruck Nr. 15, März 2002


Along the winding road

Nach „In search of castaways“ von 2004 wurde Ralf Weiden durch einen Synthesizer- und Sequencer-Spieler namens Jürgen Dürrbeck ersetzt. Die beiden anderen Trio-Mitglieder, Martin Ludwig (Keyboards) und Werner Strätz (Gitarren), sind immer noch dabei. Alle drei Musiker steuerten ihre eigenen Kompositionen bei, wobei die Beiträge von Ludwig deutlich überwiegen.
Die Musik des Trios ist die gleiche geblieben: gefällige, sehr harmonische Musik, die klingt, als würde man so verschiedene Einflüsse wie Mike Oldfield, Barclay James Harvest, Jean-Michel Jarre, Klaus Schulze, Pink Floyd (aus der Zeit von „Wish you were here“) und Tangerine Dream verwerten. Dabei kommen schon mal rein akustische Gitarren-/Mandolinenstücke zustande („Winding road“, „Burning head“), es überwiegen aber immer noch vielschichtig arrangierte Instrumentals für Synthesizer, Sequencer und sowohl akustische als auch elektrische Gitarren. Für mich musizieren Nautilus am reizvollsten, wenn der Gitarrist Strätz zu den farbenreichen Klangteppichen des Herrn Ludwig soliert.
Bei der Plattenfirma fand man für Nautilus eine (nach meinem Eindruck leicht irreführende) Genrebezeichnung „Progressive Ambient“. Eher „Electronic-Folk-ArtRock-New Age-Instrumental-Music“, würde ich sagen. Die Stimmungen wechseln häufig zwischen akustisch-folkigen Instrumentalballaden und atmosphärischen elektronischen Nummern.
Wer nette und harmlose, aber dennoch gut gemachte und auf ihre Art „progressiv“ wirkende Instrumentals für laue Sommerabende braucht, der ist mit Nautilus gut beraten.

Copyright: Siggy Zielinski @ www.babyblaue-seiten.de


In Search Of Castaways

Es ist bekanntlich kein leichtes Unterfangen, eine durchweg gefällige, Elektronik-orientierte, gleichzeitig aber kurzweilige Musik zu erzeugen. Wenn man sich als eine Band nach dem Unterseeboot von Captain Nemo, einer vom Schriftsteller Jules Verne erfundenen legendären Gestalt benennt, und dann das Albumcover dementsprechend fantasieanregend gestaltet, als würde man im tiefblauen Ozean nach Schiffbrüchigen suchen, kann das schon mal dem Gesamkonzept des Werkes sehr dienlich sein. Mir sind die vorigen Alben von Nautilus leider nicht bekannt. Die zwei Vorgängeralben sollen, anders als die vorliegende CD, Space-Rock und Weltmusik mit Elektronik kombiniert haben.
Die zwischen New Age, Elektronik und sanftem, sagen wir mal, Retroprog angesiedelte Musik von „In search of castaway“, dem fünften Album von Nautilus, käme allerdings auch ohne außermusikalische Hilfsmittel ganz gut aus.
„In search of castaways“ beinhaltet überwiegend sanfte Keyboardflächen und Gitarrentöne a la Pink Floyd aus der Zeit von „Wish you were here“, die eine Verbindung mit harmonischen, etwa mit Tangerine Dream vergleichbaren, Sequencermustern eingehen, oder sich mit diesen abwechseln. Auf die Freunde von Pink Floyd warten hier einige deja vu-Erlebnisse, die vor allem durch einschmeichelnd und doch stimmungserzeugend solierende Gitarre zu beinahe statischen Keys hervorgerufen wird. Die drei Musiker benutzen das soeben Beschriebene des öfteren als Ausgangpunkt, um ihre verwobenen, dissonanzfreien, bisweilen auch recht engagiert und dicht ausgefallenen Klanggebilde aus Sequencer, Keys und Gitarren auf den Hörer wirken zu lassen, das Ganze manchmal mit Gitarren-, oder, viel seltener, mit Synthiesolos garnierend.
Von 11 Stücken ist für meinen Geschmack nur „Archaeopteryx“ allzu entspannend ausgefallen. Auch „Shadow nights“ fällt als eine wenig überzeugende Fusion-Nummer etwas ab. Ansonsten sind von meinem Standpunkt aus keine Schwachpunkte zu beklagen.
Die hymnische Melodie von „The final discovery“ klingt nach einer Zusammenarbeit von Mike Oldfield und Vangelis. „Back to earth“ läßt mich außerdem kurz an Jean Michel Jarre denken.
Wer sich also für Pink Floyd anno 1975, oder für Mike Oldfield begeistern konnte, und sich an einem beachtlichen Anteil schöngeistiger Elektronik nicht stören würde, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Copyright: Siggy Zielinski @ www.babyblaue-seiten.de


In Search Of Castaways

Wem fällt bei Nautilus nicht sofort Jules Vernes Romangestalt Captain Nemo ein? Auf den bezieht sich das Trio um Martin Ludwig auch explizit. Spätestens der Blick auf das Cover beseitigt da alle Zweifel. Während meine Erinnerungen an die Nemo-Romane allerdings um die dramatischen Kämpfe um die Insel des Captains oder die Duelle U-Boot vs. Monsterkrake kreisen, ist Ludwig erkennbar sanfter gestrickt. Beim Hören der CD kamen denn auch bei mir die anderen Romanpassagen aus dem Unterbewusstsein hervor – die, in denen der eigenwillige Weltflüchtler seinen unfreiwilligen Gästen die paradiesischen Unterwassergärten zeigt. Diese waren von Verne wohl ganz bewusst gegen eine Welt konstruiert, die von Gewalt, Krieg und immer stärker werdender Naturvergewaltigung durch Mensch und Technik geprägt war. So etwas gab es auf seinem Meeresboden nicht. Und so etwas findet sich auch auf “In Search of Castaways“ nicht.
Grobschnitt’s Eroc hat das Teil produziert. Und so ist es wohl kein Zufall, dass die Unterwasserreise mit Nautilus gelegentlich an dessen “Wolkenreise“ erinnert – oder an andere melodische (deutsche) Elektroniker aus den späten 70er bzw. frühen 80er Jahre, wie sie mit Mickie D’s Unicorn oder Baffo Banfi auf dem innovativen Labe IC zu finden waren. Was Nautilus aus dem Meer vieler ähnlich gelagerter Acts heraushebt, ist die Gitarre von Werner Strätz, die immer wieder an David Gilmour erinnert ohne jemals ins Plagiat abzudriften oder konkrete Floyd-Songs ins Ohr zu locken. Strätz versteht es einfach, seine Gitarre so zum Leben zu bringen, wie es Gilmour zur Legende gemacht hat. Hört Euch nur einmal das wunderbare akustische Gitarren-Instrumental “A friendly Farewell“ an.
Ein Pink Floyd-Clon ist Nautilus dennoch nicht, da sich diese Gitarre zum Einen nicht bei jedem Tack findet und zum anderen in ein anderes musikalisches Konzept eingewoben wird, das erheblich sanfter, melodischer und kaum einmal rockig ist. Ein Paradebeispiel dafür ist ”Time to turn”, bei dem die wieder recht floydige Gitarre in einer Atmosphäre laaaang schwebender (Unterwasser)-Keyboardsounds eingesetzt wird. Extrembeispiele, wie das bezeichnender Weise mit Vogelgezwitscher-Samples ausgestattete “Archaeopteryx“, gehen weit in die Richtung der Esoterik-/Wellness-Mucke. Andere Keyboard-dominierte Stücke (“Back on Earth”) könnten sich praktisch nahtlos in das bereits genannte IC-Label-Konzept einfügen.

Copyright: Norbert von Fransecky @ www.musikansich.de


In Search Of Castaways

The Prudence label based in Germany is well known for their output of nice, romantic music. This new release by a young band called Nautilus (Martin Ludwig: Keys, synthesizer and sequencer; Werner Strätz: guitars and mandolin; Ralf Weiden: sampler, synthesizer and sequencer) has some tracks on it that would fit that description. It contains pieces where guitar plays leading role, though others are full of sequencing and synth-sounds, but not without guitar. The production is crystal clear. Although the overall atmosphere is romantic, sometimes it flees from this impression, like on „Back on Earth.“ where you can hear some strong guitar chops. The title piece, which clocks at almost 22 minutes, is a strong effort with restrained, though shiny sequencing, again good guitar and beautiful synth soloing. The building of the piece is very much like good old Schulze. In „The Final Discovery“ they even take on Vangelis‘ heights with epic bombast. This album is nothing for listeners who like things rough, but the ones who like it more sweet, romantic and don’t mind an overproduced album should try it.

Copyright: Roel Steverink @ www.expose.org