Interviews

Interview mit der Redaktion der Nautilus, dem Magazin des deutschen Jules Verne Clubs

Copyright Jules Verne Club / www.jules-verne-club.de

Nordpolpilger auf der Nautilus

Vor etwa zehn Jahren stieß ich durch Zufall auf eine Rezension des damals gerade erschienenen Albums In Search of Castaways der deutschen Band Nautilus. Der Titel ließ mich aufhorchen, denn Jules Vernes Roman Die Kinder des Kapitän Grant war in englischsprachigen Ländern als In Search of the Castaways erschienen. Wie, eine ganze CD zum Kapitän Grant? Die Beschreibung des Rezensenten und das Cover der CD – ein geheimnisvolles, versunkenes Schloss – machten mich neugierig, und so bestellte ich mir das besprochene Album ganz spontan. Um es kurz zu machen: Ich war begeistert! Nautilus‘ sanfte Gitarren- und Synthesizerklänge nahmen mich sofort gefangen und entführten mich in ferne Länder. Titel wie „Paganel’s Dream“ oder das 22-minütige „In Search of Castaways“ zeigen sehr deutlich, wo die Reise hingeht. Die Musik von Nautilus ist – von wenigen Sprachsamples abgesehen – vollständig instrumental und eignet sich gleichermaßen als intensives Hörerlebnis unter Kopfhörern wie auch als Soundtrack zum Buch. Ein Blick auf die Diskografie der Band enthüllt schließlich die einzigartige Tatsache, dass sich die ersten 5 Nautilus-Alben jeweils mit einem bestimmten Jules Verne-Roman beschäftigen: Rising Balloon geht mit uns fünf Wochen lang auf Ballonreise, Underground Visions nimmt uns mit zum Mittelpunkt der Erde, mit Solar Moon begleiten wir die Herren Barbicane, Nicholl und Ardan alias Ludwig, Obel und Strätz auf dem Flug zum Mond. Auf North Pole Pilgrim bereisen wir zusammen mit Kapitän Hatteras das Nordpolarmeer, während In Search of Castaways mit Jacques Paganel & Co. auf die Suche nach Kapitän Grant geht. Doch genug der Vorrede, lassen wir lieber Martin Ludwig selbst zu Wort kommen.

JVC: Martin, zuerst einmal vielen Dank, dass du Zeit für uns gefunden hast. Du hast mit Nautilus zwischen 1998 und 2008 insgesamt sechs Alben herausgebracht. Danach wurde es still um euch. Was ist inzwischen passiert?

ML: Einiges, das die Nautilus zum Stillstand gebracht hat. Persönliche und berufliche Gründe. Ich selbst hatte mich mit einem sozialen Projekt selbständig gemacht, unser Gitarrist Werner hat sich verstärkt politisch/gewerkschaftlich engagiert und unser letztes drittes Mitglied Jürgen hat sich dem Schreiben zugewandt. Es war vorher schon aufwändig, da unsere Wohnorte weit auseinander liegen, aber in den letzten Jahren hatten wir immer weniger Zeit für Nautilus übrig.

Hinzu kommt, dass der CD-Markt in den letzten Jahren doch ziemlich eingebrochen ist. Bereits bei der letzten CD mussten wir die Hälfte der Produktionskosten übernehmen, damit das Label das stemmen konnte. Nun macht zwar keiner, der solche „Nischenmusik“ macht, die im Formatradio völlig ignoriert wird, dies aus finanziellen Gründen, aber wenn man vierstellige Beträge abstottern muss, damit eine CD überhaupt veröffentlicht wird, führt dies schon zu einer gewissen Resignation. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend …

JVC: Wenn ich die Musik von Nautilus beschreiben soll, dann fallen mir als erstes Namen wie Pink Floyd, Tangerine Dream, Mike Oldfield oder Vangelis ein. Wo siehst du eure wichtigsten musikalischen Einflüsse?

ML: Die ersten drei Namen kann ich für mich persönlich schon als wichtige Einflüsse bestätigen, Vangelis weniger. Im Prinzip gibt es nur ein Nautilus-Stück, das man mit Vangelis vergleichen kann, nämlich „The final discovery“. Dieses geht auf unser kurzzeitiges Mitglied Ralf Weiden zurück, der für In Search of Castaways diese, wie ich finde, sehr gelungene Persiflage auf „Conquest of Paradise“ einbrachte. Werner kommt dagegen aus der Blues-Ecke und würde wohl Rory Gallagher als größten Einfluss nennen. Uns war es aber von Beginn an wichtig, unseren eigenen Stil zu finden und nicht wie jemand Anderes zu klingen. Sehr großen Anteil in den ersten Jahren daran hatte Ralf Obel, mit dem ich Nautilus 1998 als reines Elektronik-Duo ins Leben rief (Gitarrist Werner Strätz war bei den ersten beiden Alben zunächst „nur“ Gastmusiker). Er sorgte als Sampling-Spezialist bei den ersten vier Alben u.a. auch für den damaligen World Music-Touch, der für die Jules Verne-Thematik ja durchaus stimmig ist, wenn ich beispielsweise an „The Mystery Jungle“ vom ersten Album denke.

Ich selbst bin zudem noch ein ganz großer Beatles-Fan. Und irgendwie ist „Yellow Submarine“ (insbesondere der Film) ja eine Art Pop-Art-Variante zur Nautilus

JVC: Für sehr Nautilus-typisch halte ich den warmen Klang eurer Musik. Von Anfang an ist Grobschnitt-Musiker Eroc für das Mastering zuständig. Wie kam dieser Kontakt zustande?

ML: Grobschnitt waren lange Jahre meine absolute Lieblingsband und pflegten immer intensiven Kontakt zu ihren Fans, insbesondere Eroc – auch nach seinem Ausscheiden. Ich hatte seine Telefonnummer und Adresse und schickte ihm einfach eine Demo-Aufnahme eines Stückes. Er hat sich prompt gemeldet und meinte, dass man da was schönes draus machen könnte. Also bin ich mit Werner zusammen zu ihm ins Studio gefahren, Werner hat die Gitarre zu meinem laufenden Demo eingespielt, die Eroc noch mit einigen Drum-Samples versehen hat und fertig war das spätere Titelstück für unsere erste CD Rising Balloon. Das war speziell für mich schon ein besonderes Erlebnis. Der Mann, den ich als Teenager nach Konzerten um ein Autogramm bat und der zu den gefragtesten Mastering-Spezialisten weltweit gehört, produziert auf einem Mischpult, das den 20-fachen Wert meines kompletten Equipments hat, ein Musikstück von mir. Als ich mir die fertige Aufnahme das erste Mal zuhause angehört habe, hab ich geheult wie ein kleines Kind. Der Kontakt ist geblieben und wir haben dann ab der zweiten CD unsere CDs komplett von ihm mastern lassen, was letzten Endes auch nur möglich war, weil er ein großes Herz für kleine Musikanten hat, die sich eine solche Professionalität bzw. deren Kosten eigentlich gar nicht leisten könnten.

JVC: Alle Nautilus-Alben drehen sich um Jules Verne und seine Bücher. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht diese Thematik auf dich zurück? Welche Rolle spielt oder spielte Jules Verne in deinem Leben?

ML: Ich war schon als Kind eine große Leseratte und stand auf Abenteuerfilme. Am allermeisten hatten es mir die ZDF-Vierteiler angetan und ich wollte nach so einem Weihnachts-Vierteiler auch immer die Bücher lesen, nach denen sie entstanden sind. So hab ich dann im zarten Alter von sieben Jahren bereits den Seewolf gelesen und mehrfach Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Und so bin ich damals wie selbstverständlich auch in die Buchhandlung gegangen, nachdem Zwei Jahre Ferien lief. Das war mein erstes Verne-Buch, die damalige Sonderausgabe des Diogenes-Verlags. Darin stieß ich auf die Erwähnung weiterer Verne-Titel, die mir bekannt vorkamen, insbesondere Die geheimnisvolle Insel, von der 1973 ein Sechsteiler in der ARD lief, den ich mit großer Begeisterung gesehen hatte. Von da an war ich völlig Verne-infiziert und gab mein Taschengeld zunächst für die 20-bändige Fischer-Taschenbuchausgabe aus und ließ mir wenig später die Bärmeier & Nickel-Ausgabe zu Weihnachten schenken.

JVC: War dir von Anfang an bewusst, dass die Fischer-Ausgabe stark bearbeitet ist? Viele Leute, die mit dieser Ausgabe aufgewachsen sind, lieben sie trotzdem, obwohl sie stellenweise eher nacherzählt als übersetzt ist.

ML: Mir war das damals recht schnell bewusst, da ich ja die dicke Sonderausgabe von Zwei Jahre Ferien bereits hatte und die Unterschiede waren schon sehr deutlich. Ich habe mir dann auch nach einer Weile die Diogenes-Ausgaben zugelegt. Die sind sicher besser, aber von Zwei Jahre Ferien abgesehen, waren die Fischer-Bände in Bezug zu vielen anderen Romanen mein Verne-Einstieg. Wenn ich Verne heute wirklich lesen will, greif ich lieber zu anderen Übersetzungen, aber als leichte Urlaubslektüre sind die von Fischer immer noch eine pfiffige Möglichkeit.

Mit 12 Jahren etwa begann ich nach den Hartleben-Erstausgaben zu suchen und hab den Verlag angeschrieben und bei unzähligen Antiquariaten nachgefragt, was in einer Zeit, in der es noch kein Internet gab, ziemlich aufwendig war – und letzten Endes auch vergebens. Ich musste 34 Jahre alt werden, bis ich das erste Exemplar ergatterte, just zu der Zeit, als unsere erste CD Rising Balloon rauskam. Netter Zufall, dass Verne bei Erscheinen von Fünf Wochen im Ballon exakt genauso alt war. Meine Verbundenheit zu Jules Verne ist geblieben, allerdings haben andere literarische Interessen in den letzten Jahren „aufgeholt“, und so bin ich heute mindestens ein ebenso großer „Sherlockianer“ wie „Vernianer“ …

Ich war auch einige Male in Amiens, habe dort sogar mal an der Mauer des Madelaine-Friedhofs übernachtet und den mit Abstand kuriosesten Museumsbesuch meines Lebens erlebt.

JVC: Da Conan Doyle ja ein Zeitgenosse Jules Vernes war, finde ich das gar nicht so abwegig. Aber jetzt hast du mich neugierig gemacht. Was ist denn damals in Amiens passiert?

ML: Als ich das Museum bzw. Dokumentationszentrum betrat, war ich der einzige Besucher. Ein paar Minuten stand ich rum wie Äppken Doof, dann kam eine Frau, die mich fragte, was ich

denn wolle. Mit meinen paar Brocken Französisch erklärte ich ihr, dass ich das wolle, was man in einem Museum eben so tut. Daraufhin meinte sie, dass sie schnell einen deutschsprachigen Museumsführer für mich holen wolle. Cool, dachte ich mir. Ein persönlicher Führer und das noch vollkommen gratis. Als der dann kam, hätte man vermutlich nicht gerade ein Foto von mir machen dürfen. Selbst am Ballermann wär ich vermutlich noch als Depp des Jahres gekürt worden. Es kam ein kleines Männchen, gefühlt um die 90, mit einer Jules-Verne-Bart-Perücke

(vielleicht aber auch echt), schlohweiß am Ende, um den Mund aber Tabakbraun. Im Mund befanden sich meiner vorsichtigen Schätzung nach exakt zwei Zähne. Er war unglaublich nett und freundlich, aber auch unheimlich betrunken. So bin ich ihm dann in Schlangenlinien durch das Museum hinterhergedackelt. Alles ging gut, bis ich nach Vernes Arbeitszimmer fragte, welches sich ja im Türmchen des Hauses befand. Dummerweise wurde der Treppenaufgang gerade renoviert und war nicht begehbar. Aber da war ja dieses Fenster, von dem man aufs Dach

gelangen konnte und über dieses dann zu den Fenstern des Turms; so könne man sich das Arbeitszimmer von außen durch die Fenster ansehen. Ich vermute zumindest, dass er sowas

ähnliches zu mir gesagt hatte (ich vernahm nur ein Lallen), denn im nächsten Moment war er schon auf allen Vieren über den Fenstersims aufs Dach raus. Ich bekam ihn grade noch so an seinen Hosenträgern zu packen. Ich hab Blut und Wasser geschwitzt, bis ich den guten Mann wieder ins Haus zurückgezogen bekommen habe. Unvergesslich …

JVC: Ende 2015 ist in Berlin eine Ausstellung von Christian Tagliavini zu den Voyages Extraordinaires gestartet, der Blitz-Verlag bringt einen neuen Kapitän Nemo-Roman heraus … Was glaubst du, warum Jules Verne über hundert Jahre nach seinem Tod noch immer als Inspiration für Künstler dient?

ML: Weil es schlichtweg in der Literaturgeschichte keinen phantasievolleren Autor gab, der zudem trotz seiner oft verblüffend real werdenden Visionen dem Leser Raum ließ, seine eigenen Phantasien zu entwickeln bzw. weiterzuspinnen. Das beweisen alleine schon die unzähligen Filme, die z.T. aufgrund nur weniger seiner Motive entstanden sind, aber ihre Basis in seinem Werk haben. Hinzu kommt, dass man wohl auch heute kaum unterhaltsamer seine Allgemeinbildung verbessern kann als durch einen Verne-Roman.

Ich möchte aber betonen, dass für mich selbst die technischen Visionen seiner Bücher nie das ausschlaggebende Kriterium für meine Begeisterung waren. Ich empfinde sein Werk vor allem als romantisch, ähnlich wie Verne es im Eröffnungssatz des Karpatenschlosses ausgedrückt hat.

JVC: Du meinst den berühmten Satz „Die nachfolgende Erzählung ist nicht phantastischer, sie ist nur romantischer Art“. Das geht mir übrigens ähnlich. Der oft kolportierte „Visionär“ Jules Verne existiert für mich nicht in der Art, wie er heute gern von diversen Medien dargestellt wird. Für mich war Verne vor allem ein äußert exakter Chronist der wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften und Möglichkeiten seiner Zeit. Dieser Schnappschuss-Effekt seiner Bücher macht für mich viel des nach wie vor anhaltenden Zaubers aus. Übrigens, der Jules-Verne-Club ist dir nicht ganz neu; du hattest in der Vergangenheit bereits Kontakt zum Club. Wie kam es dazu?

ML: Das war in der Anfangszeit des Clubs, den ich damals im Internet entdeckt habe. Ganz genau weiß ich es nicht mehr – es ist ja schon 15 Jahre her – aber ich glaube, ich habe dem Gründer des Clubs (Dieter ?) eine CD geschickt und mich mit ihm im Jules Verne-Restaurant in Berlin getroffen. Nach seinem Ausscheiden hab ich dann irgendwie den Kontakt verloren, wir haben aber mit „Solar Moon“ damals an einem Kreativwettbewerb des Clubs teilgenommen.

JVC: Stimmt, das war Dieter Michaelis. Das Berliner Restaurant gibt es übrigens heute noch. Hattet ihr bei dem Wettbewerb Glück?

ML: Wir landeten so etwa im Mittelfeld.

JVC: Für mich persönlich bildet euer bis dato letztes Werk Along the Winding Road den musikalischen Höhepunkt eures Schaffens. Vieles, was auf früheren Alben teilweise nur angedeutet war, kommt erst hier zur vollen Blüte, und alles wirkt wie aus einem Guss. Durch den homogenen Klang des Albums könnte man auf die Idee kommen, dass es sich hier eher um die Produktion eines einzelnen Künstlers handelt. Oder war die Band zu diesem Zeitpunkt schon so gut aufeinander abgestimmt?

ML: Da muss ich vielleicht vorausschicken, dass man sich Nautilus nicht wie eine „normale“ Band vorstellen darf, die sich ständig im Proberaum trifft. Jeder von uns hat seine Stücke weitestgehend alleine produziert und es wurde danach von den anderen mit Ausnahme von Werners Gitarrenspuren relativ wenig hinzugefügt, mitunter auch gar nichts. Die ersten vier Alben waren dabei sehr geprägt von den sehr unterschiedlichen Kompositionsweisen von Ralf und mir und damit heterogener gestaltet. Bei In Search of Castaways und Along the Winding Road war Ralf nicht mehr dabei und ich habe produktionstechnisch bei den Stücken der anderen wesentlich mehr eingegriffen als zuvor. Bei ATWR kam noch hinzu, dass ich aufgrund des für mich sehr persönlichen Themas (der gewaltsame Tod meines besten Jugendfreundes) eine durchgehende sehr melancholische Atmosphäre erzeugen wollte. Dabei kam mir der Input von Jürgen Dürrbeck entgegen, dessen Demos bereits in diese Richtung gingen. Man kann es vielleicht auch so sagen: die ersten vier Alben waren zur Hälfte meine „Babys“, die letzten beiden zu zwei Drittel.

JVC: Gleichzeitig ist Along the Winding Road euer erstes Album, auf dem Jules Verne nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint, und mit den beiden Titeln „Last Rise of the Balloon“ und „The End, isn’t it …?“ deutet sich gar das Ende eines Kapitels an. Wie kam es zu diesem thematischen Richtungswandel?

ML: So – nun oute ich mich mal endgültig als Spinner, denn ich hatte ursprünglich eine ähnlich verrückte Idee wie der Musiker Sufjan Stevens. Der wollte zu jedem US-Bundesstaat eine eigene CD machen, hat diese Vorhaben aber bereits nach „Illinois“ und „Michigan“ wieder aufgegeben. Ich hatte tatsächlich im Kopf, den kompletten Verne zu vertonen – und das in chronologischer Reihenfolge (was für die ersten fünf CDs ja auch zutrifft), aber dann wäre Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Südafrika gekommen und das fand ich wenig inspirierend. Da mich zu dieser Zeit eben auch der bereits genannte Todesfall stark beschäftigte, wäre mir eine tonale Umsetzung eines Romans über Vermessungstechnik reichlich albern vorgekommen.

JVC: Das kann ich nachvollziehen. Und es ist absolut legitim, sich auch einmal mit anderen Themen zu beschäftigen. Aber wäre nach dem Kapitän Grant nicht 20000 Meilen unter dem Meer dran gewesen?

ML: Das stimmt natürlich, aber nach In Search of Castaways, also 2004, ging ich noch von einem Verne-Thema für die nächste CD aus, und ich dachte daran, 20000 Meilen zu überspringen. Da gab es diese UMA-CD zu dem Thema und auch noch ein anderes Projekt dazu, an das ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Ich wusste damals ja nicht, dass so viele Jahre ins Land gehen würden, bis sich die Frage wieder stellt. Wahrscheinlich macht es jetzt mehr Sinn. dann überspring ich später lieber den Südafrika-Roman, der für mich zu seinen schwächsten zählt …

JVC: Spannende Frage: Wie geht es – inhaltlich und musikalisch – nach über 7 Jahren mit Nautilus weiter?

ML: Gute Frage. Wenn sich an meinen Vorsätzen fürs neue Jahr nichts ändert, wird es 2016 ein neues Album geben, notfalls in einer Kleinauflage. Gut vorstellbar ist aber auch, dass ich mich solo an einer Sherlock Holmes-Story versuche.

JVC: Wir freuen uns darauf und sind sehr gespannt! Gibt es eine Homepage, auf der man sich über eure nächsten Projekte informieren kann?

ML: Leider hat unser damaliger Webmaster die alte Homepage ohne unser Wissen vom Netz genommen. Die neue Homepage ist derzeit im Aufbau; der aktuelle Stand kann unter http://www.nautilus-nedland.de/ besucht werden.

Vielen Dank, Martin! Abschließend möchte ich allen interessierten Jules-Verne-Fans mit einem offenen Ohr die Musik von Nautilus ans Herz legen. Wer hinter Tangerine Dream keine neue Duftkreation von Rossmann vermutet und für wen Pink Floyd mehr als nur ein VW Golf aus den Neunzigern ist, der dürfte sich bei Nautilus sofort heimisch fühlen. Der Klangkosmos, den die Band auf ihren bisherigen 6 Alben erschaffen hat, lädt zum Einsteigen und Mitreisen ein. Und wenn die Nautilus im nächsten Jahr tatsächlich wieder auf große Fahrt geht, dann dürfen wir uns wohl jetzt schon auf ein außergewöhnliches Hörerlebnis freuen.

Das Interview führte Meiko Richert.


 

Interview mit dem Online-Magazin „MusikZirkus-Magazin.de“

Copyright Stephan Schelle / www.musikzirkus-magazin.de

Stephan: Martin, Du bildest mit Ralf Obel das Duo NAUTILUS. Wie seid ihr zusammengekommen ?

Martin: Ralf und ich haben uns kennengelernt durch einen Infoletter, den mir Ralf etwa Anfang 1995 zugeschickt hatte. Er bot damit seine beiden MC-Produktionen in Kleinauflage an, damals noch unter dem Pseudonym „Aquarius“. Meine Adresse hatte er aus dem Kleinanzeigenteil des Elektronik-Magazins „Cascades“. Um ganz ehrlich zu sein, hab ich den Infoletter damals nicht weiter beachtet, aber auch nicht weggeworfen. Einige Monate später blätterte ich in einer älteren Keyboards-Ausgabe und stieß auf die Rezension von Ralf´s erster MC „Recalls and illusions“, die von Albrecht Piltz recht gelobt wurde. (Piltz hat noch vor einigen Jahren in unregelmäßigen Abständen Tape-Besprechungen unbekannter Elektroniker gebracht). Daraufhin habe ich den Infoletter hervorgekramt und seine beiden Tapes bestellt. Ich habe seine Musik sofort als erfrischend anders empfunden, wenn auch mitunter als etwas gewöhnungsbedürftig. Etwa zur gleichen Zeit habe ich mir meinen ersten Synthesizer zugelegt und meine ersten musikalischen Experimente begonnen. Es entstand ein reger Briefkontakt mit Ralf (wir wohnten damals – wie auch heute – 300 km auseinander), während dessen wir natürlich auch unsere neuesten musikalischen Ergebnisse austauschten.
1997 reifte dann bei mir der Entschluß meine Musik unter dem Namen Nautilus herauszubringen. Zunächst wollte ich das alleine machen, hatte aber auch das Gefühl, das irgendwas fehlte, eine Art musikalischer Gegenpol. Da Ralf und ich bereits über eine „Aquarius“-Veröffentlichung durch ein geplantes „Nautilus“-Label gesprochen hatten, der Name „Aquarius“ aber durch den gleichnamigen Vertrieb schon „besetzt“ war, letztenendes aber vor allem, weil mir seine Musik im Laufe der Zeit immer besser gefiel und mich auch für meine eigene Musik inspirierte, schlug ich ihm vor gemeinsam unter „Nautilus“ Musik zu machen. Er war sofort dabei – was für mich musikalisch wie menschlich ein echter Glücksfall war.

Stephan: Habt ihr schon vorher allein oder in einer Band Musik gemacht ?

Ralf: Ich habe seit 1994 unter dem Namen „Aquarius“ bereits 2 MC´s und 2 CD´s in Kleinstauflage veröffentlicht. Einige Nautilus-Stücke basieren in überarbeiteter Form auf den damaligen Aquarius-Stücken.

Martin: In einer Band habe ich nie gespielt. In meiner Kindheit habe ich Gitarre gespielt (mehr schlecht als recht) und damals schon eigene Stücke geschrieben, so richtig mit Grifftabellen und Texten. „Message of the earth“ (Nautilus-CD „Underground Visions“) basiert auf so einem Stück aus dem Jahre 1976. Der Text dazu ist glücklicherweise verschollen…

Stephan: Gibt es die „Aquarius“-Veröffentlichungen noch oder sind die mittlerweile vergriffen ?

Ralf: Die sind eigentlich vergriffen. Die DAT-Bänder habe ich natürlich noch…

Stephan: Nautilus ist ja bekanntlich der Name des U-Bootes von Kapitän Nemo, welches in den Erzählungen „20.000 Meilen unter den Meeren“ und „Die geheimnisvolle Insel“ des französischen Science-Fiction-Schriftstellers und Visionärs Jules Verne vorkommt. Auch die bisher von Euch veröffentlichten CD´s sind Erzählungen von Jules Verne gewidmet. Die erste CD „Rising Balloon“ seiner ersten Geschichte „Fünf Wochen im Ballon“ und „Underground Visions“ dem Buch „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Wart ihr so fasziniert von den Erzählungen, dass ihr diesen Namen gewählt habt ?

Martin: Nun, das mit Jules Verne ist auf meinen Mist gewachsen. Jeder hat halt so seine Steckenpferde, man könnte auch „Spleens“ sagen. Ich habe zwei: Jules Verne und Laurel & Hardy. Zu Verne sei gesagt: ich habe auch andere Autoren aus meiner Jugendzeit „herübergerettet“, wie Twain, Dickens, Conan Doyle oder Poe, warum ich gerade zu Jules Verne eine so große Affinität entwickelt habe, kann ich gar nicht so genau erklären. Mit Sicherheit nicht, weil er als „Vater der Science-Fiction“ gilt. Ich war nie ein großer Science-Fiction-Fan. „2001-Odyssee im Weltraum“ z.B. habe ich bis heute nicht gesehen.
Verne hat nur ganz selten den Boden der Realität verloren. Bei ihm gibt es keine Klingonen, fliegende Hunde oder was weiß ich noch alles. Er hat das bestehende Wissen seiner Zeit mit sehr viel Phantasie aufbereitet. Und hier ist für mich der erste Bezug zur Nautilus-Musik. Wir haben ja schließlich keine neuartige Musik erfunden. Heute ist es ja so: man läßt meinetwegen die Snare-Drum weg und hat ne neue Schublade gefunden (wer kann die ganzen Stilbezeichnungen eigentlich noch auseinanderhalten ?), im besten Fall eine neue musikalische Strömung, deren Quelle letztenendes aber, nimmt man die „Elektronische Musik“ – und was ist heute in der sogenannten zeitgenössischen Musik eigentlich nicht mehr elektronisch ? – dann doch wieder Tangerine Dream oder Kraftwerk sind. Es kann eigentlich nur darum gehen, die musikalischen Einflüsse, die man im Laufe seiner Entwicklung erlebt, möglichst phantasievoll weiterzuspinnen. Es ist wie bei einem Kind, daß mit Bauklötzen spielt. Die Klötzchen sind immer die gleichen, aber es lassen sich die unterschiedlichsten Türme damit bauen. Wieso also nicht mal einen Elektronik-Samba oder -Boogie, wie wir es schon gemacht haben. Verne hat in seiner Phantasie die ganze Erde bereist und nicht nur die. Für mich sind die Nautilus-CD´s „musikalische Reisen“ und die möchte ich auch gar nicht begrenzen.
Was die Titel der CD´s anbetrifft, sollte man diese nicht überbewerten. Zwar sind die Titelfolgen grob den entsprechenden Romanen nachgezeichnet, als eine Art „Soundtrack“ sind sie aber nun wirklich nicht zu verstehen. Man muß dem Kind halt einen Namen geben.
Und ich für meinen Teil mag es nun mal, wenn eine CD eine Art „roten Faden“ hat und nicht nur eine lose Folge von „electronicals“ darstellt. Musik, Cover und Thema sehe ich gerne als eine Einheit und bei Jules Verne gibt es faszinierende Themen ohne Ende. Ich weiß, daß dies heutzutage beinahe schon anachronistisch anmutet, aber ich lade mir immer noch nicht irgendwelche MP3´s runter, sondern möchte was „in der Hand haben“. Das Auge hört schließlich mit….
Wir möchten uns auch nicht dem allgemeinen Trend in der Szene anschließen, in der immer mehr Leute dazu übergehen, keinerlei Risiko mehr einzugehen und ihre Musik auf lieblos gestalteten selbstgebrannten Rohlingen zu vertreiben. Aus finanziellen Gesichtspunkten kann ich das zwar gut verstehen, aber ich frage mich manchmal schon, welche Bedeutung ihre eigene Musik für diese Leute überhaupt noch hat. Wenn ich wochen-, monatelang an einem Geschenk bastele, pack ich das doch anschließend auch nicht in Clopapier ein, oder ?

Stephan: Ist „Rising Balloon“ eure erste Veröffentlichung ?

Ralf & Martin: Ja !

Stephan: „Underground Visions“ ist sowohl musikalisch als auch klanglich eine Steigerung zu „Rising Balloon“. Wie sehr ihr diese Entwicklung ?

Ralf: Zum Klang: Voraussetzung für eine gut klingende CD sind moderne Recording Tools und ein professionelles Mastering. Wir versuchen, so weit wie möglich, mit den modernsten Aufnahmetechniken (im Software- wie im Hardwarebereich) zu arbeiten. „Underground Visions“ wurde komplett von EROC gemastert, was wohl den Hauptgrund für die Klangverbesserung darstellt.
Zur musikalischen Steigerung: Vielen Dank, wir versuchen auch weiterhin noch besser zu werden.

Stephan: Im Booklet der CD´s bedankt ihr euch auch bei EROC. Auf der ersten CD hat er bei dem Titelstück die Drumsamples und die Produktion des Titels übernommen, bei der zweiten CD hat er zwei Stücke produziert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit EROC und welchen Anteil hat er an den Platten ?

Martin: Seinen Anteil hast Du bereits ziemlich korrekt beschrieben. Es war eine glückliche Fügung. Anfang 1998 lebte ich noch in meiner alten Heimat im unterfränkischen Raum. Dort gibt es eine Rockband namens Rauschgelb, bei der zur damaligen Zeit auch unser Gitarrist Werner mitspielte. Ein Freund spielte mir einen Titel der Band vor, der mich beeindruckte. Ich besuchte die Band im Proberaum und ermunterte sie, sich mit ihrem guten Songmaterial bei einem professionellen Produzenten zu bewerben. Als alter Grobschnitt-Fan hatte ich EROC´s Adresse und nahm für die Band Kontakt zu ihm auf. Tatsächlich lud er die Band zur Produktion einer Promo-CD ins namhafte Woodhouse-Studio in Hagen ein. Obwohl er der Band ein günstiges Angebot vorlegte, bekamen einige von ihnen im letzten Moment kalte Füße. Nun hatte ich einen Termin bei EROC, aber keine Band mehr. Zu dieser Zeit hatte ich gerade ein Stück namens „Gomera“ fertiggestellt und wollte gerne einen Gitarrenpart mit ins Stück bringen. Also habe ich EROC mein Demo geschickt. Es gefiel ihm und er meinte, daß man da was schönes draus machen kann. Ich hab mir dann den Werner als Gitarristen geschnappt, der schon ganz enttäuscht war, daß die Band nicht mitzog und hab dann deren Termin wahrgenommen. Daß EROC den Schlußteil von „Gomera“, aus dem das Titelstück von „Rising Balloon“ wurde, mit von ihm selbst eingespielten Drum-Samples erheblich aufwertete, entstand spontan im Studio und war nicht geplant gewesen. Ich hätte mir nicht träumen lassen, da0 der Mann, dessen Schlagzeugspiel ich auf „Rockpommel´s Land“ oder „Solar Music Live“ so bewundert hatte und den ich als Teenager nach einem Konzert schüchtern um ein Autogramm bat, irgendwann mal quasi ein Musikstück mit mir zusammen produziert. Prozentual war EROC´s Anteil auf „Rising Balloon“ eher gering. Als Ansporn für mich und letztenendes für Nautilus war er jedoch enorm.
Bei „Underground Visions“ hat EROC Werner´s Gitarre bei zwei Stücken abgemischt und die komplette CD gemastert. Die dritte CD „Solar Moon“, die im September erscheint, haben wir im Alleingang komplett produziert. Was EROC aber vom Klang her aus den Aufnahmen herausgeholt hat – da fliegt dir wirklich das Blech weg. Der Mann ist einfach genial.

Stephan: Wird EROC auch zukünftig an Euren CD´s klanglich mitwirken ?

Martin: Wenn er Zeit und Lust dazu hat, würden wir uns freuen.

Stephan: Neben euch beiden tauchen auf den Platten die Gastmusiker Werner Strätz und Alexander Burghardt auf. Alexander ist auch auf beiden CD´s bei je einem Stück als Komponist mit angegeben. Wie fest sind die beiden in das Projekt mit eingebunden ?

Ralf: Alexander ist Musiklehrer und kommt eigentlich aus dem Jazz/Rockbereich. In meinen musikalischen Anfangsjahren stand er mir immer mit Rat und Tat zur Seite, wodurch wir auch das eine oder andere Musikstück zusammen komponiert haben. Hin und wieder treffen wir uns und machen aus Spaß an der Freud´ etwas Musik oder hören einfach an, was jeder von uns neu aufgenommen hat. Leider treffen wir uns momentan aufgrund von sehr unterschiedlichen Arbeitszeiten in unseren jeweiligen Jobs eher selten.

Martin: Nun, das Werner Strätz nun fest bei Nautilus ist, habe ich schon erwähnt. Er ist ja eigentlich „Blueser“, durch sein variables Spiel aber der ideale Gitarrist für uns. Was nicht heißen soll, daß wir nur noch Stücke mit Gitarre machen werden. Nautilus ist und bleibt erst mal in erster Linie eine Elektronik-Band.

Stephan: Durch die Entfernung zwischen Euren Wohnorten würde mich noch interessieren, wie ihr eure Stücke produziert. In den Booklets der beiden ersten CD´s findet sich kein Titel, den ihr beide zusammen komponiert habt. Komponiert jeder seine eigenen Stücke und bringt sie auf die CD oder wirkt der jeweils andere auch noch bei den Stücken mit ? Spielt ihr die Stücke zusammen ein? Wenn ja, wie werden die Musikdateien untereinander ausgetauscht.

Martin: Kleine Richtigstellung: Auf beiden CD´s ist jeweils ein gemeinsames Stück drauf und zwar „Flying home in Trance“ und „Mysterious underworld“. Im ersten Falle war es beispielsweise so, daß Ralf eine von mir erstellte Komposition, die ich ihm per Midi-File geschickt habe, mit seinen Instrumenten und verändertem Arrangement produziert hat. Das ist aber auch das einzige Mal gewesen, daß ein Stück auf diese Weise entstanden ist. Jeder von uns komponiert erstmal seine Stücke und produziert davon ein Demo. Nachdem wir dann mit den eigenen Stücken und denen des anderen eine Zeit lang „schwanger“ gegangen sind, treffen wir uns und produzieren die Sachen gemeinsam. Da muß man halt mal eine Woche Urlaub nehmen oder ein langes Wochenende einschieben. Bis jetzt hat sich die Zusammenarbeit bei jeder CD trotz aller Umstände verstärkt. Auf der neuen CD „Solar Moon“ ist nur jeweils ein Stück von uns beiden, daß komplett alleine eingespielt und produziert wurde.

Stephan: Wird man euch mal live erleben können ?

Ralf: Wir haben erste Überlegungen angestellt. Momentan sehe ich allerdings noch etliche technische Probleme, die vorher gelöst werden müssen. Ich denke, hier muß der ein oder andere E-Musiker mit Live-Erfahrung zu Rate gezogen werden.

Martin: Ich sehe die Probleme weniger im technischen als im organisatorischen Bereich. Jeder von uns wohnt in einem anderen Bundesland und hat ja „nebenbei“ noch einen 40-Stunden-Job. Ralf wird außerdem bald zum zweiten Mal Papa – da kommen noch etliche schlaflose Nächte hinzu. Grundsätzlich möchte ich mit Nautilus erst dann auftreten, wenn wir den Leuten wirklich was bieten können. Wenn man sich manche Elektronik-Konzerte ansieht – besonders erquickend ist es ja nicht, wenn da ein paar Leutchen hinter ihrem Computer sitzen und sonst passiert nichts. Da kann man auch ne CD einlegen. Es muß sich musikalisch und visuell etwas tun. In einer 4-Mann-Besetzung (inkl. Drummer) wollen wir kommenden Januar einen Proberaum beziehen und da einiges einstudieren. Mal sehen, was dabei herauskommt. Für mich steht das Erstellen eines Bühnenprogramms für das Jahr 2001 ganz klar im Vordergrund. Meiner Ansicht nach sollten wir auf ein Studio-Album im nächsten Jahr verzichten.

Stephan: Welche musikalischen Vorbilder habt ihr ?

Ralf: Direkte musikalischen Vorbilder habe ich keine. Ich habe mit meiner Musik auch noch nie versucht wie die Gruppe X oder der Musiker Y zu klingen. Im elektronischen Bereich mag ich besonders die Musik von Johannes Schmoelling („White Out“ ist für mich das Elektronikalbum schlechthin), Rüdiger Lorenz und Peter Mergener.

Martin: Vorbilder ? Wie jemand anderes klingen zu wollen, ist erstens reizlos und geht zweitens mit Sicherheit in die Hose. Einflüsse gibt es sicher, ich lebe schließlich nicht in einem Vakuum. Dazu kommt, das ich eigentlich jeder Musik, die abseits vom Mainstream-Gedudel liegt, erstmal sehr offen gegenübersteh´. Vor einigen Monaten z.B. war ich bei einem Konzert eines Jazz-Pianisten mit klassischer Ausbildung, der mit einem marokkanischen Oud-Spieler und Sänger auftrat. Wunderbar ! Oder die Sache, die Pete Namlock mit Burhan Öcal gemacht hat. Da treffen ja eigentlich „Welten“ aufeinander, aber das ist ja gerade das Spannende, vorausgesetzt, man läßt sich überhaupt darauf ein. Musik hat als einzige wirklich universelle Sprache die Macht, Grenzen aufzureißen und Kulturen miteinander zu verbinden, Da ist es mir mittlerweile nicht mehr möglich zu sagen „dies beeinflußt mich, das andere nicht“. Musik muß mich in erster Linie emotional berühren, da ist es mir schnurz-piep-egal aus welcher Ecke sie kommt.
Natürlich gab es vor allem in meiner Jugendzeit musikalische Aha-Erlebnisse, die mich nachhaltig geprägt haben. Pink Floyd´s „Wish you were here“ , TD´s „Encore“, Oldfield´s „Ommadawn“, Grobschnitt´s „Solar Music“ oder „Sterntaler“ von Michael Rother.
Ach ja, und vorher natürlich schon die Beatles. Also, da könnte ich jetzt noch bis Weihnachten aufzählen und wär´ immer noch nicht fertig. Deshalb: Vorbilder ? Nein, aber jede Menge Anregungen….

Stephan: Die zweite CD „Underground Visions“ ist auf dem Sound-Line-Records-Label erschienen. Ist das ein eigenes Label ?

Martin: Nein, das ist das Label von Uwe Bauch aus Nürnberg, welcher auch selbst Elektronik-Musiker ist.

Stephan: Martin, du hast neben deinen musikalischen Aktivitäten auch einen eigenen Plattenvertrieb, in dem nicht nur Veröffentlichungen aus dem Bereich Elektronikmusik angeboten werden. Erzähl ein wenig darüber.

Martin: Ich habe das Ganze vor einigen Jahren erstmal so lose im Bekanntenkreis gestartet. 1998 meldete ich dann „Nautilus-Records“ als Gewerbe an. Ich vertreibe neue und second-hand-CD´s sowie LP´s aus nahezu allen Musikrichtungen, der Schwerpunkt liegt aber bei Elektronik und Progressiv-Rock.

Stephan: Du bringst ja auch einen Katalog heraus. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er neben den Angeboten auch CD-Rezensionen und weitere Infos (in der Ausgabe Sommer 2000 ist ein umfangreiches Interview mit EROC abgedruckt) enthält. Wie können Interessierte an diesen Katalog kommen ?

Martin: Ganz einfach: schreiben, faxen, mailen oder anrufen. Hier alles, was man dazu braucht …